Sieben schlechte Nachrichten für Nagelpilzkunden - und eine gute
Die warmen Tage stehen vor der Tür und nicht wenige Kunden kommen in die Apotheke mit dem Wunsch, nun noch schnell eine Nagelpilzbehandlung zu beginnen, um dann auch barfuß „bella figura“ zu machen. Aber so einfach ist das nicht und wenn wir richtig beraten, dann müssen wir in vielen Fällen eher bremsen und zunächst schlechte Nachrichten übermitteln, bevor am Ende möglicherweise(!?) ein Erfolg erzielt werden kann. Wir folgen dabei einer im letzten Jahr veröffentlichten neuen Leitlinie die unter Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e.V. (DDG) erstellt wurde.
Die schlechte Nachricht Nr.1:
Vor einer – wie auch immer aussehenden Behandlung – muss ein Nachweis des infizierenden Pilzes erfolgen. Der Dermatologe entnimmt eine Nagelprobe und legt eine Kultur an, die über 4 Wochen bebrütet wird. Erst dann kann man sicher sein, ob überhaupt eine Pilzinfektion vorliegt, und wenn ja um welche Spezies es sich handelt. Langfristig wird sich die Diagnostik in Richtung PCR-Test verschieben, ein Verfahren, welches Privatpatienten und Selbstzahler heute schon in Anspruch nehmen können. Dabei entfällt dann auch die lange Wartezeit bis zu einem möglichen Beginn einer Behandlung.
Eine Blickdiagnose oder der Abgleich mit Dr. Google Bildmaterial verbietet sich (mindestens zu 40% falsch!).
Die schlechte Nachricht Nr. 2:
Hat ein Kunde bereits mit einer antimykotischen Therapie begonnen, und überlegt nun doch seine Eigendiagnose vom Facharzt überprüfen zu lassen, dann muss die Therapie für 8 Wochen pausiert werden. Dieser Fakt spricht auch dagegen, einfach mal anzufangen und dann weiter zu sehen.
Die schlechte Nachricht Nr. 3:
Vor einer Behandlung muss eine sehr differenzierte Anamnese durchgeführt werden! Wie viele Nägel sind betroffen? Nur die Nagelplatte oder auch der Nagelfalz? Liegt auch ein Fußpilz vor? Sind andere Familienmitglieder betroffen? Gibt es schwerwiegende Grunderkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen? Wie ist der Verlauf? Welche Arzneimittel nimmt der Patient ein? Differentialdiagnostisch müssen beispielsweise Nagelpsoriasis oder Ekzemnägel ausgeschlossen werden – insgesamt ein sehr komplexes Beratungsgespräch, welches in vielen Fällen doch über die Kompetenz der Apotheken hinausgeht.
Die schlechte Nachricht Nr. 4:
Ein Therapierfolg ist nur zu erwarten, wenn ein Nagelwachstum über 0,5 mm pro Woche erfolgt – ein Punkt, der bei älteren Kunden häufig nicht gegeben ist. Eine Überprüfung kann der Patient selbst vornehmen (falls er dazu in der Lage ist…), in dem er ein kleine Kerbe in den Nagel feilt und dann per Handyfoto kontrolliert.
Die schlechte Nachricht Nr. 5
Eine Eigentherapie mit Lacken soll nur begonnen werden, wenn ein Nagel nicht mehr als zu 40% betroffen ist und/oder wenn weniger als 3 Zehennägel eine Infektion zeigen. In allen anderen Fällen muss eine systemische Therapie begonnen werden. Diese liegt selbstverständlich in den Händen des Arztes, aber auch in dieser Hinsicht lohnt sich für uns ein Blick in die neue Leitlinie, weil die zur Verfügung stehenden Substanzen Terbinafin, Itraconazol und Fluconazol doch sehr differenziert eingesetzt werden können und sollen.
Die schlechte Nachricht Nr. 6
Bevor ein Patient mit einer Eigen-Behandlung startet, sollen sowohl alle Schuhe als auch alle Socken antimykotisch behandelt werden. Ein Ping-Pong-Effekt soll vermieden werden. Und wenn ein Patient schon Monate lang eine Behandlung durchführen will, dann ist es wichtig von Anfang an eine Umgebung für die Füße zu schaffen, in der Pilzsporen keinen Raum haben.
Die schlechte Nachricht Nr. 7
Unterstützung durch einen Podologen wäre sehr sinnvoll: das Abtragen von Nagelmaterial mittels Fräsen vor einer Behandlung unterstützt den Therapieerfolg, da Hohlräume geöffnet werden, in die ein antimykotischer Lack dann eindringen kann.
Nun endlich - die gute Nachricht
Empfehlen können wir – wenn denn eine alleinige topische Therapie das Mittel der Wahl ist – wasserunlösliche Ciclopiroxolamin- (Miclast®, Batrafen®, Ciclopirox ADGC®) oder Amorolfin-haltige ( Loceryl®, Amofin®, Amorolfin Scholl®) Acryllacke sowie den wasserlöslichen Ciclopiroxolamin haltigen Lack (Ciclopoli®). Gerade letzterer ist offensichtlich besonders gut geeignet, da zum einen der Wirkstoff an ein Biopolymer gebunden ist, welcher einen besseren Transport des Wirkstoffs gewährleistet und dann auch noch einen Schutzfilm bildet und zum anderen auch eine Behandlung des Nagelbettes oder eines Restnagels gut möglich ist. Gerade die Mitbehandlung der seitlichen Nagelteile sind wichtig, um eine Diffusion durch das Keratin zu ermöglichen. Zu denken ist auch an eine Mitbehandlung der benachbarten Zehen – auch wenn diese keine Krankheitszeichen zeigen . nur um sicher zu gehen, dass von dort keine Reinfektion erfolgt.
Extrahiert
- Die Behandlung eines Nagelpilzes erfordert sehr viel Beratung und in vielen Fällen auch das Verweisen an den Hautarzt, um einen Erfolg zu garantieren
- Der PCR-Nachweis der möglichen Pilz-Erreger wird in Zukunft das diagnostische Mittel der Wahl werden.
- Apothekenpflichtige antimykotische Lacke können bei sorgfältiger Anwendung zielführend sein, wenn eine ausschließliche lokale Therapie angezeigt ist.